Geboren, um zu sterbenDas Leben eines Schweines

So verläuft das kurze Leben eines Schweines in der industriellen Tierhaltung in Deutschland.

Das Ferkel wird in der Abferkelbucht geboren und in den ersten Wochen von seiner Mutter zusammen mit 16 bis 18 Geschwistern gesäugt. Der Bodenbelag ist je nach System anders, meist besteht er aus Kunststoffrost, Einstreu gibt es keine. Ein extremer Kontrast zu den natürlichen Bedürfnissen der Tiere: In der Natur würde die Sau für sich und ihre Ferkel vor der Geburt ein Nest bauen, in dem die Kleinen bei ihrer Mutter Schutz finden. Die Realität sieht in der Tierhaltung anders aus: Da die Sau auf Höchstleistung gezüchtet ist, bringt sie mehr Ferkel zur Welt, als sie versorgen kann. Viele Jungtiere sind zu schwach zum Saugen oder erhalten nicht genug Milch. Sie erkranken, sterben oder werden grausam getötet.

Betriebspersonal kürzt den Schwanz des Ferkels. Das passiert meist innerhalb der ersten drei Lebenstage – und zwar ohne Betäubung. Denn viele Schweine entwickeln durch die tierschutzwidrige Haltung schwere Verhaltensstörungen. Da sie sich in der engen und kargen Umgebung nicht beschäftigen können,beißen sie einander in die Schwänze, bis sie bluten. Anstatt die Haltungsbedingungen zu verbessern, setzen Tierhalter*innen auf diese Methode. Nach dem Eingriff erhalten die Tiere keine Schmerzmittel. 

Da hochgezüchtete Sauen weniger Zitzen haben, als Ferkel geboren werden, kommt es häufig zu Kämpfen um die besten Plätze. Damit sich die Ferkel dabei nicht mit ihren kleinen, scharfen Eckzähnen gegenseitig verletzen, schleifen Tierhalter*innen diese beim Ferkel ab. In der Praxis geschieht das meist unsachgemäß: Bei bis zu 90 Prozent der Eingriffe wird das empfindliche Zahnmark, Pulpa genannt, freigelegt. Es schmerzt stark und anhaltend, wenn dieses Nervengewebe verletzt wird. Eine Betäubung oder Schmerzmittel erhält das Ferkel dabei nicht. Obwohl das Leid der Ferkel bekannt ist, erlaubt das Tierschutzgesetz diese Praxis weiterhin.

Bereits in den ersten sieben Tagen nach seiner Geburt wird das Ferkel kastriert. Das soll den sogenannten Ebergeruch vermeiden, der nach der Schlachtung männlicher Schweine beim Erhitzen des Fleisches zu riechen sein könnte. Bis Ende 2020 mussten die Tiere diese Tierquälerei ohne Betäubung ertragen. Auch mit Betäubung ist die Amputation der Hoden extrem belastend und riskant: Nachblutungen und Infektionen sind möglich und das Ferkel leidet nach der Prozedur unter großen Schmerzen.

Schon nach drei bis vier Wochen wird das Ferkel von seiner Mutter getrennt – viel früher als in der Natur. Dort erfolgt die Entwöhnung erst nach 13 bis 17 Wochen. Die frühe Trennung schwächt das Immunsystem des Jungtieres und löst erheblichen Stress aus. Viele Ferkel verhalten sich auffällig und saugen beispielsweise ständig an Gegenständen oder quieken laut. Auch die Sauen reagieren: Sie suchen nach ihren Ferkeln, sind unruhig und rufen nach ihnen.

Nach der Trennung von der Mutter kommt das Ferkel in einen sogenannten Ferkelaufzuchtstall. Dort lebt es auf Flatdecks. Diese bestehen aus engen Buchten mit Vollspaltenböden. Sie zwingen es zum vorsichtigen Gehen, weil es sonst seine kleinen Klauen verletzen könnte. Beschäftigungsmaterial fehlt, Platz gibt es kaum: Anfangs teilen sich bis zu sechs Ferkel einen Quadratmeter. Bis zum Alter von zehn bis 15 Wochen verbringt das Tier sein Leben in dieser eintönigen, belastenden Umgebung.

Im Alter von zehn bis 15 Wochen wird es bei einem Gewicht von 30 Kilogramm als Aufzuchtferkel in den Mastbetrieb transportiert. Grundsätzlich kann ein Transport bis zu acht Stunden dauern. Wenn er diese Länge überschreitet, müssen besondere Vorkehrungen getroffen und beispielsweise Ventilatoren installiert werden. So sind auch Wege möglich, die 24 Stunden in Anspruch nehmen. Danach ist eine Pause von 24 Stunden Pflicht. Anschließend kann es weitergehen – für das Tier ein unvorstellbarer Stress. 

Das Ferkel wächst in einem Mastbetrieb weitere 90 Tage lang zu einem jugendlichen Schwein heran. 

Die Anzahl der Tiere unterscheidet sich hier von Betrieb zu Betrieb. Manche pferchen tausende Schweine in eine Halle. Hierzulande werden aktuell über 99 Prozent der Schweine konventionell gehalten und ungefähr 96 Prozent leben auf Spaltenböden. Der Anteil ökologisch gehaltener Schweine am gesamten Schweinebestand liegt nur bei knapp einem Prozent. Tausende Mastschweine leben in einer industriellen Anlage, die in enge Buchten unterteilt ist.

Ein Mastschwein mit rund 80 Kilogramm Gewicht hat in der konventionellen Haltung nur etwa einen dreiviertel Quadratmeter Platz. Mit jedem Kilo, das es zunimmt, wird der Raum enger, bis kaum noch Bewegung möglich ist. Schweine sind von Natur aus sehr reinlich. Sie würden ihren Kotbereich weit entfernt von Schlaf- und Fressplätzen anlegen. Doch in den engen Buchten ist das unmöglich: Die Tiere müssen auf der kleinen Fläche schlafen, fressen, urinieren und koten.

Das Schwein steht inmitten seiner Artgenossen auf hartem Beton mit Spaltenboden, ohne Stroh oder Komfort. Kot und Urin fallen in Güllegruben. Dort entstehen schädliche schwefel- und ammoniakhaltige Gase, die Atemwegserkrankungen sowie Augenreizungen verursachen. Auf dem rutschigen Boden verletzt es sich leicht, Tageslicht gibt es oft kaum. Das energiereiche Mastfutter lässt das Tier zu schnell wachsen. Das verursacht Gelenk-, Stoffwechsel- und Herzprobleme sowie psychischen Stress. Schmerzen und Magengeschwüre sind die Folge. Trotz dieser Umstände fehlt oft eine tierärztliche Versorgung.

In freier Umgebung würde das Schwein den Großteil seines Tages mit Futtersuche, Suhlen und Wühlen verbringen. Im Stall fehlt ihm jedoch jede Möglichkeit dazu: kein Auslauf, keine Beschäftigung, keine Abwechslung. Die Folge ist krankhafte Langeweile, die in Verhaltensstörungen resultiert. Viele Tiere nagen verzweifelt an Metallstangen oder verharren reglos mit hängendem Kopf an Ort und Stelle. Trotz kupierter Schwänze kommt es häufig zu Beißattacken. Dabei verletzen die Schweine sich gegenseitig an Schwänzen oder Ohren, getrieben von Stress und Frustration.

Ein Mastschwein wiegt mit einem halben Jahr bereits 120 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Wildschwein ist mit etwa fünf Jahren ausgewachsen und kann bis zu 200 Kilogramm wiegen.

Das Schwein wird in den Schlachtbetrieb transportiert – oft stundenlang, eingepfercht in enge Transportfahrzeuge. Innerhalb Deutschlands darf der Transport bis zu acht Stunden dauern. Geht er ins Ausland, gilt diese zeitliche Grenze nicht mehr. Für das Tier sind das Stunden voller Stress, Angst und körperlicher Belastung.

Nach der Ankunft am Schlachthof wird das Schwein in einen Wartestall gebracht, wo es mit seinen Artgenossen in großen Buchten zusammengepfercht ist. Hier sollen sich die gestressten Tiere ein bis zwei Stunden beruhigen, bevor das Unvermeidliche bevorsteht.

Das Schwein wird durch CO₂ betäubt – eine Methode, die für das Tier enorm belastend ist. Das Gas reizt die Schleimhäute und es erlebt bei vollem Bewusstsein Erstickungsgefühle und Todesangst. Für das Schwein ist es ein Moment extremer Panik und Qual. Deshalb ist diese Betäubung aus Tierschutzsicht hochkritisch zu sehen und strikt abzulehnen.

Die Elektrozange betäubt jedes Tier einzeln: Der Strom soll die Betäubung herbeiführen, doch die Methode kann fehleranfällig sein. Je nach Handhabung kommt es bei bis zu 12,5 Prozent der Tiere zu einer Fehlbetäubung, bei automatischen Anlagen sind es etwa 3,3 Prozent. Die tatsächliche Zahl lässt sich schwer erfassen, und die Praxis unterscheidet sich stark zwischen den Betrieben.

Anschließend wird das Tier aufgehängt oder hingelegt. Mit einem Messer schneidet Betriebspersonal die großen Gefäße in Herznähe durch einen Bruststich auf – das Tier blutet aus.

All das muss das Schwein durchstehen, damit der Mensch Fleischprodukte verzehren kann. Doch es geht anders – vegan und tierfreundlich. Auf unserer Website findest Du Artikel und Tipps rund um die pflanzliche Lebensweise sowie zahlreiche Rezepte. Auch gedrucktes Infomaterial kannst Du ganz einfach über unser Bestellformular anfordern und wir schicken es Dir zu. Weitere Informationen über die Haltungsbedingungen in der industriellen Landwirtschaft erhältst Du in unserem ausführlichen Artikel „Das Leben eines Schweines“.

Text & Projektleitung:
Melanie Frommelius

Grafische Umsetzung:
Tim Müller, muellergrafik.com

Wissenschaftliche Mitarbeit:
Dr. Melanie Dopfer, Kathrin Zvonek

Technische Umsetzung:
Eulenblick – Kommunikation und Werbung, agentur-eulenblick.de